ERKRANKUNG DER ATEMWEGE BEIM MEERSCHWEINCHEN


Anatomie und Physiologie der Atemwege:
Durch die Nasenlöcher, die Nasenhöhle, die relativ dickwandige Luftröhre (mit einem hufeisenförmigen Querschnitt) gelangt die eingeatmete Luft über die (mit Muskulatur verstärkten) Bronchien in die (von viel lymphatischem Gewebe durchsetzte) Lunge. Auf Grund dieser anatomischen und physiologischen Besonderheiten erkranken MS meist schwer. Begünstigt durch veschiedene schwächende Faktoren (Unterkühlung, Überhitzung, Nässe, Zugluft, falsche Ernährung etc) befallen verschiedene Krankheitserreger - vom Menschen, anderen Tieren oder durch das Futter übertragen - das Tier.

Erreger:
seltener Viren (Adenoviren, Paramyxoviren, SendaiVirus, SV5,..)
meist Bakterien: Bordetella bronchiseptika, Streptococcen, Klebsiellen, und Pasteurellen
gelegentlich: Mycoplasmen
nie: Lungenwürmer

Symptome:
Die Erkrankungen treten gehäuft in den Monaten Febr.,März und Oktober,November auf. "Grippezeit" des Menschen! Es kommt zu Niesen, Husten, Augen- und Nasenausfluß. Die Tiere versuchen durch Scheuern und Wischen die verklebte Nasenöffnung zu säubern. Die Atmung wird meist schneller und ruckartig. Das Atmen verusacht oft seltsame Geräusche. Bei schwerer Atemnot atmen die Tiere mit offenem Mund. Sehr rasch verlieren sie den Appetit und werden apathisch. Je nach erkranktem Organ spricht man von: Rhinitis (Entzündung der Nase = Schnupfen), Tracheitis (Entzündung der Luftröhre), Bronchitis (Entzündung der Bronchien) und Pneumonie (Lungenentzündung). Lungentumoren, Leukose und durch Herzschwäche verursachtes Lungenoedem zeigen ähnliche Symptome. Nur der Tierarzt kann hier die richtige Diagnose treffen.

Verlauf:
Bei akutem Verlauf kann es in 2 bis 3 Tagen zum Tod des Tieres führen. Überlebt das Tier, wird aber nicht behandelt oder spricht auf die Behandlung nicht an, so kann die Krankheit chronisch werden. Viele Tiere sterben nach 6 bis 8 Wochen plötzlich, obgleich man die Krankheit schon überwunden glaubt.

Behandlung:


Obgleich die meisten Erkrankungen durch Bakterien hervorgerufen werden und es ja genügend Antibiotika gibt, ist die Behandlung trotzdem oft nicht erfolgreich, da MS nur wenige Antibiotika vertragen. Die oben angeführten Bakterien sind aber besonders widerstandsfähig die MS leider nicht. Eine intensive Behandlung ist unbedingt notwendig. Wer glaubt, mit einer Injektion beim Tierarzt und ein paar Tropfen das Tier heilen zu können, irrt. Erst seit wir an unserer Klinik die Besitzer überzeugen konnten, daß schwerkranke Tiere stationär aufgenommen werden müssen, und wir eine mehrtägige Intensivbehandlung durchführen, ist die Heilungsrate besser geworden. Mindestens 3 mal tgl. Injektionen, Infusionen, Sauerstoffzelt u.v.m. ist notwendig.


Verweichlicht Eure MS nicht in überheizten Wohnungen, vermeidet Zugluft und starkstaubende Einstreu.
Bei Husten und Schnupfen sofort zum Tierarzt
.



 
Autor:
Dr. Josef FERBER   1.Wiener Meerschweinchenambulanz der Tierklinik Simmering
E-Mail: info@meerschweinchenfreunde.at
Copyright (C) meerschweinchenfreunde.at 2001. Alle Rechte vorbehalten.
Aktualisiert: 2002-04-29