Beschäftigung,
besonders allein gehaltene MS benötigen viel Zuwendung , da sie als Rudeltier die Geselligkeit brauchen. Mehr Beschäftigung kann man den MS bieten, indem man in den Käfig mehrere Ebenen einbaut, die durch Röhren (z.B. aus dem Baustoffhandel), Rampen (mit Sprossen und evtl. Sandpapier versehen) Rinnen (Dachrinnen ausgelegt mit Teppichresten) oder Tunnel erreichbar sind. Häuser können ruhig mehrere Eingänge haben. Für` s Auge sehen auch ausgehöhlte Baumstücke als Unterschlupfmöglichkeit recht dekorativ aus. Runde Fenster in Häuschen zum durchklettern haben sich schon einige Male als gefährliche Fallen erwiesen, davon sollte man besser Abstand nehmen. Viele Meerschweinchen mögen es auch, unter einem Vorhang hindurch zu laufen, d.h. man könnte z.B. ein ausgedientes Handtuch vor einem Hauseingang anbringen. Sogar Hängematten, wie es sie für Frettchen zu kaufen gibt, werden von einigen, besonders mutigen Meerschweinchen gern benutzt. Ausreichend Heu zum knabbern darf sowieso nie fehlen und gelegentlich kann man auch mal frische, junge Obstbaumzweige zum nagen anbieten.

Bewegung,
Ist für alle MS wichtig, um ihrem natürlich ausgeprägten Bewegungsdrang entgegen zu kommen, sowie ein Abstumpfen ihres Wesens zu verhindern und Verfettung zu vermeiden. Ein Käfig kann für MS nie groß genug sein, deshalb ist tgl ein wenig Auslauf. in Zimmer oder Garten empfehlenswert.

Böckehaltung,
Böcke, die von klein auf in reinen Boygroups oder in der Gesellschaft ihres Vaters u./o. männlichen Geschwistern aufgewachsen sind und somit ausreichendes Sozialverhalten gelernt haben, werden es auch später immer einfacher haben sich mit gleichgeschlechtlichen zu arrangieren als andere die überwiegend einzeln saßen und diese Erfahrungen nie machen durften. Bei ausgewachsenen Böcken mit Boygroup- Erfahrung ist es manchmal sogar möglich sie mit anderen völlig fremden, geschlechtsreifen Männchen zu vergesellschaften, obwohl sie inzwischen vielleicht sogar schon über Zuchterfahrungen verfügen. Kommt ein ausgewachsener Bock ohne Boygroup- Erfahrung, der sein Leben lang nur allein oder mit 1 Weibchen vergesellschaftet war in eine Männchen- Gruppe, ist er enormen Stress ausgesetzt, weil er nicht weiß, wie er sich den anderen gegenüber verhalten muss, einfach aus dem Grunde, weil er es nie gelernt hat. Entweder er kehrt anfangs fürchterlich den "Macho" heraus und stürmt unbedarft auf die anderen hinzu, wofür er mächtig verprügelt wird u./o. er wird so stark verunsichert, das er sich ängstlich vor allen anderen zurück zieht, sich verkriecht und sich noch nicht einmal mehr an das Futter wagt. Solche Böcke können an den Folgen dieses Dauerstresses sterben, wenn man sie nicht wieder rechtzeitig aus dieser Gruppe heraus nimmt!

Wer 2 Böckchen vergesellschaften möchte, sollte folgende Regeln beachten :

Einer der beiden Böcke darf noch nicht geschlechtsreif sein, d.h. er sollte 3- 4 (5) Wochen alt sein.
2 Böcke sollten nie getrennt werden, damit sie sich nicht entfremden, den dies geht rascher als man denkt.
Keine weiblichen Meerschweinchen im selben Haushalt beherbergen, ihr Geruch könnte u.U. Rivalitätsverhalten auslösen (ist bei uns bislang   noch nicht vorgekommen obwohl wir mehrere Böckerudel nebst Weibchengruppen im selben Zimmer untergebracht haben, ist aber trotzdem   nicht auszuschließen).
Tipp : Besitzt man bereits einen älteren Bock, zu dem ein Jungbock hinzu soll, könnte man das ältere Tier mit zum Züchter nehmen und die Verträglichkeit mit einem gewählten Jungbock gleich vor Ort beobachten. Möchte man sich 2 Jungböcke anschaffen, könnte man 2 Brüder aus einem Wurf nehmen, da sich diese bereits kennen . Lassen Sie die beiden Böckchen zum Kennen lernen bei sich Zuhause anfangs am besten auf "neutralem" Boden (außerhalb des Käfigs) für eine Weile zusammen laufen. Sobald sich die erste Aufregung gelegt hat, können Sie beide in den gemeinsamen Käfig setzen. Es wird noch einige Tage dauern, bis die Rangordnung ausgefochten und Harmonie eingekehrt ist. Man kann auch versuchen, die Böckchen ein wenig voneinander abzulenken in dem man ihnen ein paar Leckereien dazu stellt und sollten sie Anstalten machen sich bekämpfen zu wollen, ist es in manchen Fällen wirkungsvoll ihren Geruchssinn etwas zu irritieren, z.B. indem man ihre Hinterteile ein wenig einparfümiert.
Es ist nicht nötig einen Bock zu kastrieren, wenn man ihn mit einem Jungböckchen vergesellschaften möchte!
Solange der Jungbock noch nicht geschlechtsreif ist (3 ½ - 5 Wochen alt), klappt die Vergesellschaftung mit einem älteren Bock eigentlich immer! Das natürliche Rivalitätsverhalten wird durch eine Kastration nicht ausgelöscht, die Böcke können im Wesen ruhiger werden, auch im Verhalten Weibchen gegenüber, jedoch wird ihr Kampfgeist gegenüber anderen Böcken kaum gebremst, mit anderen Worten: Wenn sich 2 Böcke einmal verfeindet haben, dann wird auch 1 Kastration nichts mehr daran ändern. Bei Vergesellschaftungen von Böcken (unter Einhaltung obiger Regeln!) kommt es später nur sehr selten mal zu Verfeindungen (nämlich nur dann, wenn sich 2 Böcke extrem dominant entwickeln sollten und keiner von beiden nachgeben will). Überwiegend halten die Freundschaften erfahrungsgemäß lebenslang. Jugendliche machen manchmal "Stänkerphasen" durch, wo sie austesten wollen, ob sie nicht doch stärker als der Andere sind und evtl. erreichen können, des anderen höheren Rang einzunehmen. Das Verhalten legt sich, sobald die Böcke ausgewachsen sind und sich deren Positionen gefestigt haben. Der Rangniedrigere von beiden übernimmt dann automatisch die "Weibchenrolle", duldet Besteigungen des ranghöheren Männchens (Chef) usw.. Hat man bereits 2 Böcke und möchte einen Dritten hinzu setzen, so gestaltet sich diese ungerade Anzahl an Tieren manchmal etwas ungünstig, sollte es dazu kommen, das sich zwei zusammen tun und gegen den Dritten verbünden. Besser sind also 2 oder 4 Böckchen zusammen, bei noch größeren Gruppen spielt die Anzahl dann keine Rolle mehr.

Büchertipps,
Das Meerschweinchen als Patient, Ilse Hamel, Gustav?Fischer?Verlag (Buch vergriffen, Neuauflage in Arbeit, dann aber enke-Verlag)
Mehr über Meerschweinchen, Ilse Pelz, 0ertel+Spörer?Verlag
Gesellige Meerschweinchen, Peter Beck, Kosmos Verlag
Ratgeber Meerschweinchen, Gabriele Prust, bede Verlag
Artgerechte Haltung - ein Grundrecht auch für Meerschweinchen, Ruth Morgenegg, Kik Verlag



 
Autorin:
Thea PAAR   MFD BD e.V.
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Aktualisiert: 2002-04-26