Calcium
- Defizit,
Eine akute Calziumtetanie/Calciummangel kann hauptsächlich bei trächtigen Weibchen,
ab der 3.Woche vor bis 1 Woche nach Geburt, auftreten. In der Hochträchtigkeit
und während der Säugezeit ist der Calcium -Bedarf am höchsten.
Erfahrungsbericht:
Da ich trotz ausgewogener Ernährung ein familiär gehäuftes Auftreten von Ca-
Defiziten bei 2 Säuen (verwandte Säue bei einer anderen Züchterin zeigten ebenso
wiederholte Calciumtetanien) beobachten konnte, ist m.E. bei manchen Weibchen
eine erbliche Vorbelastung durchaus denkbar. Ich hatte bisher nur Calcium- Defizite
bei Satin- Weibchen gehabt. Eine Tierärztin hielt eine Calcium- Aufnahmestörung
aus dem Darm (unbekannter Ursache) für den möglichen Auslöser.
Symptomverlauf:
Ein krampfartiger Anfall tritt urplötzlich auf, manchmal verbunden mit einem
kurzen Aufschrei der Sau. Der Körper ist bretthart angespannt, auch die Bauchseiten
der tragenden Sau fühlen sich hart und fest an. Der gesamte Körper vibriert,
die einzelnen Muskelfasern scheinen unabhängig voneinander unkontrolliert zu
zucken. In leichten Fällen laufen die MS sehr steif, ziehen spastisch die Hinterbeine
nach. In schlimmeren Fällen spreizen sie die Hinterläufe ganz vom Körper weg,
strecken die Vorderbeine nach vorn, die Füße zucken und ein Laufen ist nicht
mehr möglich. Die Augen sind angsterstarrt aufgerissen, der Blick in gravierenden
Fällen nach oben verdreht. Nicht selten besteht gleich-zeitig ein Schlundkrampf.
Während eines Anfalls wird die Sauerstoffzufuhr für ungeborene Babys gemindert,
was zu einer Früh-/ Totgeburt führen kann, wenn nicht umgehend Hilfe erfolgt.
Eines meiner Weibchen, bei dem ich einen tetanischen Krampf zu spät entdeckte,
blieb trotz Ca- Gabe eine schlaffe Lähmung (vermutlich aufgrund einer eingetretenen
Nervenschädigung) beider Vorderbeine bestehen, die sich erst nach einigen Wochen
wieder regeneriert hatte, unter Behandlung mit entsprechenden homöopathischen
Präparaten und Vit. B- Komplex.. Säue die einmal vor oder nach einer Geburt
einen tetanischen Anfall erlitten, scheinen dafür prädestiniert zu sein, auch
bei folgenden Schwangerschaften mit einem Ca- Defizit zu reagieren, so daß dringend
zu empfehlen ist, solche Weibchen aus der Zucht auszuschließen!
Behandlung:
| Sofort zum Tierarzt! Eine Injektion mit 0,5 ml Calciumgluconat 10% / kg i.m.( Isenbügel / Frank, Heimtierkrankheiten,Ulmer-Verl.,1985) beendet den Krampf binnen weniger Minuten. |
Für Züchter ist es ratsam, immer etwas Calcium
im Haus zu, haben, für den Fall, das ein Tierarzt nicht rasch genug erreichbar
ist. Zur oralen Behandlung eignet sich Calzium in Flüssig-form (ohne Vit.D-
Zusatz!), z.B. als Trinkampullen in Apotheken erhältlich. Im Akutfall können
ca.100 mg Calcium (nach meinen Erfahrungen) mit einer
Spritze oder Pipette oral eingegeben werden. Dies muß sehr vorsichtig geschehen,
da durch einen möglichen Schlundkrampf Aspirationsgefahr droht. Die Wirkung
setzt nach 30- 45 Min ein, alle Symptome verschwinden. Da der Ca- Spiegel im
Körper nicht lange stabil bleibt und aufgrunddessen mehrere Anfälle an 1 Tag
möglich sind, ist eine Weiterbehandlung mit 3 - 4x tgl. 25mg Calzium, bis 1
Woche nach Geburt anzuraten. Bekommt ein säugendes Jungtier einer prädestinierten
Sau einen tetanischen Anfall, reicht (nach meinen Erfahrungen)
zunächst eine einmalige orale Gabe von l0 mg Calcium um den Krampfzustand aufzuheben
.
| Autorin: Thea PAAR MFD BD e.V. E-Mail: the roots@gmx.de Co-Autorin: Dr.vet.med. Nicole JENTZSCH |
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