Meerschweinchenbezogene Reiseeindrücke aus Peru
Auf unserer Peru-Reise im Sommer 2002 interessierten mich, neben den "normalen" Kultur- und Natur-Sehenswürdigkeiten, die dieses Land bietet, besonders die "cuyes", wie Meerschweinchen in ihrer Heimat Südamerika heißen. Angeregt durch eine Fernsehdokumentation, wo eine traditionelle Form der Cuy-Haltung - freilebend am Küchenboden - sowie Wildmeerschweinchen zu sehen waren, war der große Wunsch entstanden, dies "in natura" zu sehen. Es erschien uns jedoch nicht leicht, in eine solche ursprüngliche Küche Eingang zu finden, und noch schwieriger, scheue Wildschweinchen in freier Wildbahn zu entdecken. Sofort nach unserer Ankunft in Cuzco - einem Zentrum der traditionellen Meerschweinchenkultur - fragte ich also den Taxifahrer, der uns in die Stadt brachte, ob es hier noch üblich sei, Meerschweichen in der Küche frei zu halten. Er reagierte völlig verwundert (so etwas Verrücktes hatte ihn noch kein Tourist gefragt) und meinte dann, es gäbe zwar immer weniger MS-Halter, aber er selber halte cuyes in der Küche. Ihn gleich zu fragen, ob wir uns das anschauen könnten, wagten wir aber nicht. Auf einem sehr untouristischen Markt fragten wir uns dann zur "Meerschweinchenabteilung" durch
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wo cuyes in Säcken, Körben, Holz-Gitterkäfigen und Kunststoffbehältern feilgeboten wurden. Sie dienen als traditionelle Speise zu besonderen Anlässen und sind eine wichtige Fleischquelle für die einfache Bevölkerung. Die meisten der Tiere waren normalgroß, Kurzhaar, die häufigsten Farben rot und weiß. Ein paar Prachtexemplare an großen "Fleischmeerschweinchen" - bei uns als "cuyes" verbreitet - wurden extra präsentiert
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Typischerweise griff die Verkäuferin (Bild ober
li), wenn sich ein potenzieller Kunde näherte, in einen Sack und griff ein MS
heraus um es mit den Worten "muy rico" (sehr köstlich/reichhaltig) anzubieten.
Was die Haltung am Küchenboden anging, so fragten wir den Manager unserer familiären
Pension, ob er uns helfen könne, eine solche Originalküche zu sehen. Er fand
eine solche gleich ums Eck und fragte die netten Bewohner, ob wir uns ihre Küche
und ihre cuyes anschauen könnten. Sie hießen uns in ihrer finsteren Küche mit
"Naturboden" willkommen und lockten mit Grünfutter zwei verschreckte MS aus
ihren Verstecken. (Bilder ober mitte und re) Da wir wissen wieviel Mist unsere
eigenen MS machen, konnten wir uns die Frage nicht verkneifen, wie sie den MS-Mist
putzten. Ihre Antwort "gar nicht, denn sonst sterben die MS" machte uns etwas
ratlos, aber vielleicht bezogen sie das "putzen" auf die Meerschweinchen selber.
Jedenfalls war dies eine seltene Gelegenheit, diese traditionelle und bewährte
Form der Haustierhaltung zu sehen. Das Projekt "Wildmeerschweinchen" gingen
wir im Süden Perus in der Umgebung von Arequipa an. Neben der Stadt erhebt sich
der ebenmäßige Vulkan "El Misti" und an dessen Fuß sollte es noch Populationen
von WildMS geben. Unsere Erkundigungen, ob und wo genau es möglich sei wilde
MS zu sehen waren sehr mühsam, aber lustig und voller Irrwege und Missverständnisse.
So fragte ich immer auf spanisch nach "cuyes salvajes" weil dieser Begriff in
meinem Wörterbuch unter "wild" stand. Einige Peruaner behaupteten daraufhin
steif und fest, cuyes seien grundsätzlich "domesticados". Schließlich landeten
wir auf der Suche nach einem Biologiestudenten, der angeblich einen Platz kannte,
auf dem biologischen Institut der medizinischen Fakultät. Dort erklärte ein
Professor, dass "salvaje" wild im Sinne von aggressiv (nicht im biologischen
Sinne) heiße und daher kaum zu Meerschweinchen passe ! Also hatten wahrscheinlich
etliche Einheimische nicht verstanden was wir wollten. Der Professor meinte,
es sei kaum möglich "cuyes silvestres" zu beobachten, da sie nachtaktiv seien.
Der Student meinte allerdings, er kenne eine Stelle, nur eine Stunde Busfahrt
von Arequipa entfernt, wo man sie durchaus mit etwas Glück tagsüber sehen könne
und so fuhren wir am nächsten Morgen mir zwei hilfsbereiten jungen Männern los.
Die beiden waren Kenner der heimischen Fauna und erzählten, dass sie schon einmal
zwei norwegische Zoologen zu den Wildmeerschweinen geführt hatten. Die Landschaft
um das Dorf am Fuß des El Misti war eine offene Grasfläche mit Buschvegetation
auf ca. 2500 m Seehöhe, mit wenigen landwirtschaftlich genutzten Flächen, und
zum Teil ziemlich sumpfig, was mich bei einem Meerschweinchenlebensraum wunderte.
Man muss allerdings beachten, das Wildmeerschweinchen heute nur noch in wenigen
Rückzugsgebieten zu finden sind, da der Großteil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets
vom Menschen in Beschlag genommen wird. Wir verbrachten den Vormittag mit Ferngläsern
die Gegend nach Meerschweinchen absuchend und entdeckten auch bald mehrere Tiere.
Wenn man sich anschlich und an einer Stelle ruhig verharrte, kamen nach wenigen
Minuten bis zu drei MS aus den Verstecken in der höheren Vegetation auf die
offene kurze Grasfläche, wo sie hastig weideten. Als Unterschied zu domestizierten
MS fiel vor allem der deutlich ausgeprägte, längere Hals auf, mit dem sie zum
"Sichern" den Kopf heben konnten. Ich befand mich in ca. 10 m Entfernung und
war ganz begeistert, weil ich nicht wirklich damit gerechnet hatte, wilde Meerschweinchen
so gut beobachten zu können (Bilder unten li und re). Wir können allerdings
nicht mit 100%iger Sicherheit sagen, dass es sich um die vermutliche Wildform
des Hausmeerschweinchens (Cavia tschudii) handelte, da vom Verbreitungsgebiet
her auch die sehr ähnlichen Wieselmeerschweinchen in Frage kämen. Auf der letzten
Station der Reise, in Quito/Ecuador, entstand auf einem Markt noch eine Aufnahme
von MS (Bild unten mitte).
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| Autorin: Mag. Anja BARTELS E-Mail:cavia@chello.at |
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vorbehalten. Aktualisiert: 2003-03-03 |