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ZAHNERKRANKUNGEN BEI MEERSCHWEINCHEN

Die Zahnformel der MS ist 1-0-1-3, d.h. sie besitzen in Ober- und Unterkiefer je 2 Nagezähne (1), keine Eckzähne und auf jeder Seite 4 Backenzähne (2).
Jedes MS hat also 20 Zähne!

Die Milchzähne der MS werden bereits im Mutterleib gewechselt und die Tiere kommen bereits mit dem bleibenden Gebiß zur Welt. Zwischen den Nagezähnen und den Backenzähnen ist ein großer Abstand. Viele MSbesitzer glauben daher, daß ihre Tiere nur Nagezähne besitzen. Die Zähne haben keine richtige anatomische Wurzel und wachsen zeitlebens. Damit sie nicht zu lange werden, müssen sie sich regelmäßig abreiben. Zahnfehlstellungen, zu weiches Futter, Verletzungen und verschiedene Mangelerkrankungen können zu übermäßigem Wachstum der Zähne führen und die ordnungsgemäße Nahrungsaufnahme erschweren oder sogar vollständig behindern. Die Tiere verhungern vor der vollen Futterschüssel! Normalerweise wird das Futter mit den Nagezähnen in kleine Stücke zerschnitten, mit der Zunge zu den Backenzähnen befördert und dort durch Vor- und Zurückschieben des Unterkiefers zermahlen. Die Kauflächen sind in Richtung Zunge geneigt. Durch übermäßiges Wachstum bilden sich zuerst Zahnspitzen, die im Unterkiefer in die Zunge und im Oberkiefer in die Wange einstechen können. Später kann sich eine sogenannte "Zahnbrücke" bilden. Dabei wird die Zunge total von den Backenzähnen eingeschlossen. Hier ist kaum mehr eine Futteraufnahme möglich. Das erste Zeichen einer Zahnerkrankung ist meist ein vermehrter Speichelfluß. Die Tiere beginnen zu "trenzen", bald können sie bis zwischen die Vorderbeine naß sein. Anfänglich ist der Appetit noch gut oder sogar gesteigert - das Tier hat ja Hunger. Das Fressen bereitet jedoch zunehmend Schmerzen. Abgebissene Futterstücke werden wieder fallengelassen. Ein unaufmerksamer Tierbesitzer kann auch noch dieses Krankheitsstadium übersehen. Wer nur von oben flüchtig auf den Käfig schaut, dem fällt das starke Speicheln oft gar nicht auf , das Futter scheint ja aufgefressen. Karotten oder Salat wurde zerbissen liegt aber fein verteilt im Käfig herum, das Tier hat jedoch keinen Bissen gefressen. Bei langhaarigen Tieren fällt oft auch die Abmagerung zu spät auf. Irgendwann verzweifeln die Tiere dann und sitzen teilnahmslos in einer Ecke des Käfigs. Wenn der Besitzer jetzt erst zum Tierarzt geht, kann es oft schon zu spät sein. Das MS ist hochgradig abgemagert und geschwächt. Jede Manipulation oder Aufregung ist bereits lebensbedrohlich, die Verdauung funktioniert nicht mehr, viele Tiere müssen eingeschläfert werden oder verenden trotz intensiver Behandlung. Darum: regelmäßige Kontrollen der Maulumgebung und regelmäßige Gewichtskontrollen bei allen MS! Bei Speichelfluß und Gewichtsabnahme zu Tierarzt! Eine Veränderung der Nagezähne ist meist auch ein Hinweis auf ein Problem der Backenzähne.

Was macht der Tierarzt? Eine Zahnuntersuchung sieht ungefähr folgendermaßen aus: Überprüfung der Schneidezähne und der Beweglichkeit des Unterkiefers. Inspektion der Mundhöhle mit einem geeigneten Instrument (meist einem Otoskop = dient normalerweise zur Untersuchung des Gehörganges, leistet aber auch hier gute Dienste).

Jetzt sieht der Tierarzt - meist gar nichts, weil das Maul bei einem gesunden Tier voll Futter ist. Daher bitte bringen Sie Ihr MS ohne Futter und Heu zum Tierarzt! Der wird es Ihnen danken und Ihr Liebling wird in dieser Zeit auch nicht verhungern. Findet der Tierarzt Hinweise auf eine Zahnerkrankung, dann muß die Mundhöhle genauer untersucht werden. Mit verschiedenen Instrumenten wird jetzt das Maul geöffnet und die Wangen gespreizt

In dem Licht einer eigenen Lampe (meist einer Stirnlampe) und mit Hilfe eines gut ausgebildeten Tierpflegers, der das Tier ordnungsgemäß fixieren kann, werden nun die (16) Backenzähne untersucht. Besitzt der Tierarzt genügend geeignete Instrumente und einen erfahrenen Tierpfleger(-in) so können die meisten Zahnkorrekturen ohne belastende Narkose durchgeführt werden. Sicherlich, das MS hat keine große Freude dabei - wir gehen ja auch nicht gerne zum Zahnarzt - aber die oft fürchterlich klingenden knackenden, knirschenden und bohrende Geräusche tun dem Tierbesitzer mehr weh als dem MS, da die Zahnspitzen nervenlos und daher schmerzunempfindlich sind. Groß ist dann die Freude, wenn das Tier dann wieder fressen kann. Leider müssen solche Behandlungen, wenn sie durch Fehlstellungen bedingt sind, in regelmäßigen Abständen (meist so zwischen 6 bis 8 Wochen) wiederholt werden.
Eine weitere häufige und sehr unangenehme Erkrankung sind Zahnwurzelabszeße: Auch wenn wir gesagt haben, daß MSzähne "wurzellos" sind, so kann sich doch dieses "wurzelähnliche" Ende der Zähne entzünden, vereitern, das ganze Kiefer unter Eiter setzen und dann unter die Haut durchbrechen. Dort erst wird die Erkrankung als großer "Dippel" vom Besitzer wahrgenommen. Eine langwierige Behandlung ist notwendig. Rezidive sind sehr häufig.

Abszess
Abszess
Abszess
Abszess

Vorbeugen ist besser als Heilen - daher - regelmäßige Zahnkontrolle beim Tierarzt!


 
Autor:
Dr. Josef FERBER   1.Wiener Meerschweinchenambulanz der Tierklinik Simmering
E-Mail: info@meerschweinchenfreunde.at
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Aktualisiert: 2002-08-16