CUYES

Inzwischen wissen wir alle, daß es sich bei den Cuys um Riesenmeerschweinchen aus Südamerika handelt. Während man in unserem Kulturkreis Meerschweinchen als Hausgenossen im Sinne von Streicheltieren hält, werden Cuys in den Andenländern (insbesondere Bolivien, Columbien, Ecuador und Peru) als domestizierte Schlachttiere angesehen. Die Ureinwohner Südamerikas begannen nachweislich bereits 4000 Jahre v. Chr. mit dem Einfangen der Wildmeerschweinchen und ihrer Domestizierung. Viele dieser Volksstämme sind ausgestorben (wie z.B. die Incas) aber viele noch heute lebende Völker wie die Quechuas oder die Aymaras haben die Tradition der Cuy-Zucht bis in die heutige Zeit perfektioniert. In diesen Ländern haben die Cuyes auch heute noch eine große wirtschaftliche Bedeutung in der Volksernährung und sind auch ein fixer Bestandteil im spirituellen Leben, im Gesundheitswesen und im Brauchtum. Man schätzt die Zahl der gehaltenen Cuyes auf 30 Millionen in Peru, 10 Millionen in Ecuador und ca. 3 Millionen in Columbien und Bolivien. Bedingt durch die vielen Sprachen und Dialekte der Andenvölker gibt es auch sehr viele Namen für die dort gehaltenen Meerschweinchen wie: curi, curiel, conejo cuy, conejo peruano, conejo nativo, huimbo, huiro jaca, huanco, cochinillo, quwi, qowa, conejillo de Indias, sascha cuy, rata de Amerika, cobayo usw.

Schamanismus: 25% der Andenbevölkerung zieht auch heute noch den Heiler (curandero) einem westlichen Arzt vor.

Curandera bei der Arbeit:

"La soba del Cuy" ("das Reiben des Cuy") ist eine Technik, bei dem der Heiler (Heilerin) mit einem lebendigen Meerschweinchen am Körper des Patienten entlangfährt. Nach dem Opfertod des Tieres wird es gehäutet und eröffnet um aus der Körperoberfläche und den Innereien abzulesen, welches Organ beim Patienten erkrankt ist. Cuyes werden aber nicht nur zur Diagnose sondern auch zur Therapie von Erkrankungen angewendet. Wieder wird das Meerschweinchen am Körper des Patienten gerieben damit es die Krankheit aufnehmen kann. Danach wird das Tier getötet und an einem entfernten Ort feierlich "bestattet", oder aber so ausgesetzt damit es jemand finden kann (der dann die Krankheit bekommt).

Die Haltung und Züchtung von Cuyes:

Cuys werden in Südamerika also seit insgesamt 6000 Jahren gehalten und gelten neben Lamas, Alpacas und Vicuñas als die Nutztiere der Anden. Ihr Fleisch ist eiweißreich, cholesterinarm und angeblich sehr schmackhaft. Während bei Ritualien sehr gerne schwarze Tiere verwendet werden, sind diese in der Fleischproduktion unerwünscht, da die schwarze Haut (Cuyes werden wie unsere Schweine gebrüht, enthaart und mit der Haut verzehrt) nicht schön ausschaut. Die schwersten Rassen können über 4 kg erreichen.

Bei der einfachen Landbevölkerung wurden und werden noch immer Cuyes freilaufend auf dem Boden der Hütten gehalten. Hier dienen sie als natürliche Wärmequelle in den kalten Nächten, Frischfleischvorrat (kein Kühlschrank notwendig), Arbeitshilfe beim Öffnen von harten Nüssen, Kinderspielzeug, Düngererzeuger und Notgroschenvorrat. Auch ein passendes Gastgeschenk ist immer griffbereit.
Andenhütte
Zur Fleischproduktion werden die Tiere in "Batterien" wie unsere Hühner gehalten. In solchen Mastanlagen befinden sich oft bis 30 000 Meerschweinchen. Das Foto zeigt eine "Cuyesfabrik" in Ecuador. Hier werden die Tiere zur Armeeversorgung gemästet. Die Ernährung besteht zu 90 % aus Saftfutter. Trotzdem erreichen sie sehr rasch ihr Schlachtgewicht von ca. 2 kg. (In den Notzeiten des 1.Weltkrieges wurde auch bei uns die Mast von MS empfohlen, da diese bekanntlich sehr genügsam sein können.

Besonderheiten:

Polydaktilie ("Vielzehigkeit") ist ein häufiger Erbfehler bei Cuyes. Ein Züchter-Aberglaube sagt: "Je mehr Zehen, desto fruchtbarer die Tiere". Das Foto zeigt "Juanita" eine meiner Cuyes. Sie hat 7 Zehen an ihrer rechten und 6 an ihrer linken Vorderpfote. Cuyes zeigen manchmal auch verlängerte Schwanzknochen. Dies alles behindert die Tiere nicht und die großen Pfoten sehen recht niedlich aus - finde ich.

Charakter:

Cuys sind nicht unbedingt als Schmusetiere geeignet, sie sind mitunter sehr scheu und können panisch reagieren. (Handzahm sind auch meine Cuys noch nicht). Die soziale Struktur ist streng hierarchisch gegliedert. Die Paarbindung zwischen Männchen und Hauptweibchen ist so fest, daß wenn man sie trennt, die gesamte Gruppe darunter leidet.

PS: Fotos von gegrillten Cuyes möchte ich Meerschweinchenfreunden nicht zumuten.

Die Geschichte meiner Cuyes: Mitte Oktober 1999 war es endlich soweit. Meine Frau und ich holten "unsere" Cuyes. In einem Vorort von Bonn war gerade eine Kleintierausstellung und wir konnten dort unsere lange vorbestellten Tiere (1 Bock und 2 Säue) übernehmen. Der Bock "Paco" geb. am 2.7.99 in Luxemburg - rot-weiß mit Schopf, "Tequila" ein rot-weißes Glatthaar geb 5.8.99 und ihre Schwester "Mezcal" rot-weiß mit Schopf. Die Elterntiere stammen alle aus einer Zuchtfarm in Ecuador. Deutsche Züchter hatten einige Tiere gekauft und den Transport organisiert. Am 28.12.99 warf "Mezcal" 3 Junge, kurz darauf am 2.1.00 "Tequila" 4. Die Geburten verliefen ohne Probleme Mütter und Junge sind alle wohlauf. Die Säue waren zu dieser Zeit ca 1000g, Paco 1300g schwer. Am 9.5.2000 wurden wieder 4 Junge und am 18.6. ebenso 4 ohne Probleme geworfen. Am 3.7.2000 zeigte die Waage folgende Gewichte: "Jose`"(vom ersten Wurf) 1854g "Paco" 1732g, "Tequila" 1466g und "Mezcal" 1364g. Inzwischen (Stand Okt.2001) ist meine Herde trotz eifriger Kastrationen auf über 30 Tiere angewachsen. "Paco" wiegt zur Zeit ca. 2300g.


 

 
Autor:
Dr. Josef FERBER   1.Wiener Meerschweinchenambulanz der Tierklinik Simmering
E-Mail: info@meerschweinchenfreunde.at
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Aktualisiert: 2001-10-01
Ich danke unbekannterweise Marta Cadena deren ausgezeichneten Vortrag gehalten am 20.05.2000 anläßlich der Ausstellung in Bergen-Enkheim (BRD) ich stellenweise übernommen hab