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HAUTERKRANKUNGEN BEI MEERSCHWEINCHEN

Die Haut ist bei Tier und Mensch das größte Organ und in seiner Gesamtheit ohne besondere Hilfsmittel zu untersuchen. Die Aufgaben der Haut und ihrer Anhangsgebilde (wie Haare und Krallen) sind sehr vielfältig. Am wichtigsten ist der Schutz aller anderen Organe gegen äußere Einflüsse. Erkrankungen der Haut sind bei Mensch und Tier im Zunehmen. Ob dies auf vermehrte Umweltreize zurückzuführen ist, ist nicht bewiesen, erscheint mir aber naheliegend. Von den vielen mir als Tierarzt vorgestellten Meerschweinchen zeigte jedes zweite ein "Hautproblem". In der Diagnostik ist es sehr wichtig jedes Symptom genau zu betrachten um zur richtige Diagnose zu kommen. Ist Juckreiz vorhanden oder nicht? Besteht Haarausfall oder Haarbruch? Wenn ja, ist dieser am Körper symmetrisch oder unregelmäßig angeordnet? Schuppenbildung ja oder nein? Wenn ja, fette oder trockene Schuppen? Ist die Haut verändert? Verfärbt oder gerötet? Sind Bläschen, Pusteln oder Kratzer zu finden? All dieses führen den Tierarzt zu einer Diagnose oder auch oft nur zu einem Verdacht, der dann durch weitere Untersuchungen wie mikroskopische, histologische, mykologische oder bakteriologische bestätigt oder verworfen wird. Doch wir wollen nicht zu sehr ins Detail gehen!

Was sind die Ursachen von Hauterkrankungen? Prinzipiell muß gesagt werden, daß die Haut ein sehr widerstandsfähiges Organ ist und bei einem gesunden Individuum viele schädliche Einwirkungen abwehren kann. Ist jedoch die Widerstandskraft des Körpers durch Krankheit oder Streß geschwächt, oder die Haut zu vielen schädlichen Einflüssen auf einmal ausgesetzt, so können Hauterkrankungen auftreten und ohne rasche Behandlung schwere Krankheitsbilder hervorrufen. Die beim Meerschweinchen häufigsten Hauterkrankungen werden durch Ektoparasiten hervorgerufen.
Ektoparasiten:

Trixacarus
Gliricola
Chirodiscoides
Die Räude- oder Grabmilbe (Trixacarus caviae) verursacht die häufigste Hauterkrankung bei MS. Beginnend mit heftigem Juckreiz, kommt es bald zu starker Schuppen- bildung. Die Haare brechen durch das Kratzen oder werden abgenagt. Der Juckreiz führt bis zur Eigen - verletzung der Tiere und epileptiformen Anfälle. Unbehandelt kann sie zum Tod durch Auszehrung führen .
Der Haarling (Gliricola porcelli)
Die Raubmilbe (Chirodiscoides caviae) verursacht ebenfalls Juckreiz und starke Schuppenbildung bohrt sich aber nicht so tief in die Haut wie die Grabmilbe.

Haarlinge sind relativ harmlose Parasiten, sie sind eine Läuseart, leben im Fell und sind als winzige weißliche, bewegliche "Würmchen" zu erkennen. Ihre Eier (Nissen) kleben fest an den Haaren und sehen insbesondere bei Tieren mit dunkler Fellfarbe wie weiße Farbspritzer aus. Die Raubmilbe lebt auf der Hautoberfläche. Die Grabmilbe aber bohrt sich Gänge in die Haut.Diese drei Schmarotzer sind hochspezialisiert auf Meerschweinchen und können auf andern Tieren oder dem Menschen nicht lange überleben. (Aber unter Umständen allergische Reaktionen auslösen.) Selten kommen bei Meerschweinchen auch noch Milben von Kaninchen oder Mäusen vor. Auch eine Haarbalgmilbe (Demodex caviae) kommt gelegentlich vor.

Hautpilze: Bei oberflächlicher Betrachtung sehen Pilzinfektionen (Trichophyton und Microspoum Arten kommen vor) der Räude ähnlich. Juckreiz und Schuppen herrschen vor. Meist kann auch der Tierarzt erst durch spezielle Untersuchungen (Betrachtung unter einer speziellen UV-Lichtquelle, Mikroskopie oder Anzüchtung - kann Wochen dauern) eine Diagnose stellen.

Bakterien: Bakterien (meist Staphylokokken, aber auch Streptokokken und Kolibakterien) dringen meist durch kleine Verletzungen ein und rufen Eiterpustel, Phlegmonen oder Abszesse hervor. Schlechte Haltungsbedingungen (zu dichter Besatz führt zu Verletzungen durch Raufereien, schlechte Käfige mit scharfen Kanten und schlecht gereinigte, feuchte Einstreu) fördern derartige Erkrankunge.

Viren: Hautveränderungen durch Pocken- und Herpesviren kommen bei Meerschweinchen nur nach künstlicher Infektion vor.

Andere Ursachen: Haut- und Haarveränderungen durch nichtinfektiöse Ursachen können durch physikalische (Verbrennung, Erfrierung) oder chemische (Verätzungen durch Säuren oder Laugen) Reize, durch Hormonstörungen, Allergien, Ernährungsfehler, Stoffwechselstörungen, Vergiftungen, Erbfehler oder Tumoren hervorgerufen werden. Hormonstörungen: Eine sehr häufige Ursache für schütter werdendes Haarkleid mit symmetrischen Haarausfall am Rücken, sind Hormonstörungen durch Eierstockzysten. Hierbei besteht kein Juckreiz. Erbfehler: Haarlosigkeit - Baldwins, Schuppen bei Rex und Texel.

Haarlosigkeit
eigentlich ein Erbfehler
jetzt aber eine gesuchte Rasse:
ein Baldwin

Einige besondere Formen von Hauterkrankungen wie Lippengrind, Pododermatitis, Talgdrüsenadenome, Veränderungen des Caudalorganes, übermäßige Sekretion der Circumanaldrüsen alter Böcke und Entzündungen der Ohren werden an anderer Stelle besprochen.

Behandlung von Hautkrankheiten: Eine ordnungsgemäße Behandlung sollte und kann nur durch oder unter Anleitung eines Tierarztes erfolgen. Die unkontrollierte und regelmäßige Verwendung von Medikamenten, insbesondere Antibiotika und Antiparasitika hat zur Folge, daß die Krankheitserreger in einiger Zeit resistent werden, und die Mittel nicht mehr ausreichend wirken.
Erst seit einigen Jahren steht uns mit dem Präparat Ivomectin ein Mittel zur Verfügung, das auch die Grabmilbe wirkungsvoll bekämpft. Da dieses Mittel (ursprünglich zur Parasitenbeämpfung bei Schweinen entwickelt) eigentlich nicht für Meerschweinchen zugelassen und obendrein hochkonzentriert ist, sollte der Tierbesitzer über mögliche Gefahren von Nebenwirkungen (zum Glück sehr selten) aufgeklärt werden. Dieses Medikament gibt es in verschiedenen Zubereitungen und kann als Injektion, über das Futter oder direkt oral verabreicht, oder aber auch als"pour on" auf die Haut getropft werden. Haarlingen kann man mit vielen bei Hund und Katze verwendeten "Flohmitteln" zu Leibe rücken.
Hautpilze von Meerschweinchen sind auch auf den Menschen übertragbar und auch sonst langwierig in ihrer Behandlung. Eine großzügige Schur oder Rasur der betroffenen Stellen oder des ganzen Tieres ist oft hilfreich. Zum Einsatz kommen Bäder und Salben. Ausgeprägte Fälle müssen auch mit Tabletten behandelt werden. Leider sind diese Mittel aber lebertoxisch und können auch Aborte und Unfruchtbarkeit hervorrufen. Seit kurzer Zeit gibt es für andere Tiere eine Impfung gegen Hautpilze, die auch eine heilende Wirkung bei bereits erkrankten Tieren hat. Ein bei Katzen als "Flohmittel" verwendetes Medikament hat in höherer Dosierung eine gut Pilzwirkung gezeigt. Über die Verwendbarkeit dieser neuen Methoden für Meerschweinchen gibt es noch keine Untersuchungen.
Bakterielle Infektionen der Haut werden lokal mit antiseptischen oder antibiotischen Lösungen, Pudern und Salben behandelt, bei schweren Krankheitsbildern müssen Antbiotika zusätzlich auch injiziert oder oral verabreicht werden. Abszesse erfordern eine chirurgische Intervention.
Hormonstörungen durch Eierstockzysten können durch Operation (Kastration), durch Punktion der Zysten (nur kurzzeitige Wirkung, denn Zysten füllen sich rasch wieder) oder durch Hormoninjektionen behandelt werden.
Zusätzlich zu all diesen Behandlungen sollten immer die Umwelt- und Haltungsbedingungen der kleinen Patienten verbessert, Stresssituationen vermieden, Mittel zur Steigerung der unspezifischen Abwehr des Immunsystemes (wie Vitamine, div. Homöopathika etc.) und spezielle "Hautmittel" wie Biotin und niedere Fettsäuren verabreicht werden.


 

 
Autor:
Dr. Josef FERBER   1.Wiener Meerschweinchenambulanz der Tierklinik Simmering
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Aktualisiert: 2001-10-01