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DIE GESCHICHTE DER MEERSCHWEINCHEN

Ich möchte hier nur von der "näheren" Geschichte sprechen. Über die Urgeschichte und die Zeit der Kontinentalverschiebungen wird an anderer Stelle berichtet. Die Heimat unserer MS ist Südamerika. Knochen- und Mumienfunde aus Zeiten bis 7000 v. Chr. beweisen, daß die Jagdbeute der Inkas zur Hälfte aus Wildmeerschweinchen stammte. Ca. 1000 v.Chr. wurden die ersten MS domestiziert. Daneben hielten die Incas noch Lamas und Alpacas. MS hatten eine wichtige Funktion als Opfertiere, als Grabbeigaben , bei Heilungsritualen und für Weissagungen. In Peru und Ecuador werden heute noch MS - Cuyes genannt - bei den Indios als Nahrungs- und Wärmequelle gehalten. Auch Heilungsriten und Weissagungen aus MS werden heute noch durchgeführt. Nach der Entdeckung Amerikas, als spanische Seefahrer im 16. Jahrhundert nach Südamerika vordrangen, trafen sie in den Indianersiedlungen gezähmte Meerschweinchen an. Diese wurden als Haustiere gehalten und als beliebte Speisetiere geschätzt. Während der Eroberung des Landes -1532 unterwirft Francisco PIZARRO die Incas - dienten sie auch ihnen als Fleischlieferanten. Die ersten Meerschweinchen gelangten somit durch die Spanier nach Europa. Ob diese weitergezüchtet wurden ist nicht bekannt. Eine Quelle besagt, daß Meerschweinchen um 1670 aus Surinam, dem ehemaligen Niederländisch-Guayana, von holländischen Kaufleuten als Spieltiere für ihre Kinder und als besondere Rarität mit nach Holland gebracht wurden. Es ist anzunehmen, daß Holländer sie bereits 100 Jahre früher mit nach Europa brachten und sie weiter züchteten. Als kostbare Raritäten, Schau- und Handelsobjekte gelangten die Tiere über Paris und Augsburg nach Zürich, wo der Schweizer Arzt und Naturforscher Konrad Gesner sie erstmals sah und 1554 beschrieb. Die Tiere gewöhnten sich scheinbar rasch ein und wurden bald beliebte Haustiere. Holland hat auch heute noch viele MS-Züchter. Wie genau sich das MS in Europa verbreitet hat - zuerst in Holland, oder doch eher zuerst von Spanien und Portugal nach Holland und dann teuer an den französischen und deutschen Adel verkauft - ist nicht ganz klar (mir zumindest nicht). Es gibt auch eine wissenschaftliche Arbeit aus dem Anfang dieses Jahrhunderts, die MS in Westafrika (Guinea) beschreibt. Ob der englische Namen für MS (guinea pig) davon kommt oder doch von der altenglischen Goldmünze (soviel soll damals ein MS gekostet haben - war viel Geld) ist auch nicht ganz klar. Die MS heißen im holl.: meerzwijn (daher kommt wohl auch der deutsche Name) im engl.: guinea pig (Schwein), im franz.: Cochon d`Inde (auch cobay ) und im span.: conejillos de indias. Also sehr häufig Schwein. Verantwortlich dafür ist vielleicht doch eine entfernte Ähnlichkeit der Figur (runde Hintern, fetter Nacken, borstige Behaarung) und die Lautäußerungen (quieken). Bis zum ersten Weltkrieg hatten sich die MS in Europa fest "etabliert", wurden aber noch meist auf dem Land gehalten (kurzfristig wurde in den Notzeiten der Kriege auch ein Verspeisen bei uns empfohlen - das hat sich aber Gott sei Dank nicht durchgesetzt). Leider (für die MS , gut für die Menschen ) wurde aber auch die gute Tauglichkeit als Versuchstiere entdeckt. Viele MS haben ihr Leben für die Erforschung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten (insbesondere Tuberkulose und Diphterie) gelassen und sie sind auch noch heute ein wichtiges biomedizinisches Modell. Nach dem ersten Weltkrieg setzte sich das MS als eines der beliebtesten Heimtiere rasch durch (ca. 60 % der als Heimtiere gehaltenen Kleinsäuger sinds MS). Mit der Beliebtheit stieg auch das Interesse an der Zucht und verschieden Haarformen und -farben. Dadurch wurden heute 12 (in Österreich anerkannte) verschiedene Rassen mit unzähligen Farbvariationen geschaffen.


 
Autor:
Dr. Josef FERBER   1.Wiener Meerschweinchenambulanz der Tierklinik Simmering
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Aktualisiert: 2001-12-01