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DURCHFALLERKRANKUNGEN BEI MEERSCHWEINCHEN

Bevor wir auf die Durchfallerkrankungen direkt zu sprechen kommen, müssen wir uns ein wenig mit der Anatomie und der Physiologie des Verdauungstraktes vertraut machen.
Die Verdauung beginnt bereits in der Mundhöhle. Die Zahnformel der MS ist 1-0-1-3, d.h. sie besitzen in Ober- und Unterkiefer je 2 Nagezähne, keine Eckzähne und auf jeder Seite 4 Backenzähne. (über Zahnerkrankungen) Das richtige Kauen der Nahrung ist sehr wichtig für eine gesunde Verdauung . Durchfall kann auch in schlechten Zähnen seine Ursache haben. Beim Schlucken gelangt der Nahrungsbrei über die Speiseröhre in den Magen. Sein Inhalt macht 20% des Volumens des gesamten Verdauungstraktes aus. Das sind ca. 20 - 30 ml (wichtig bei Zwangsernährung mit der Spritze ). Der MS-Magen hat nur eine schwache Muskulatur, daher ist kein Erbrechen möglich. Der Körper kann sich also von einmal geschlucktem verdorbenen oder giftigen Futter nicht durch Erbrechen befreien, dieses muß den ganzen Darm passieren . Der Organismus ve
rsucht durch vermehrte Peristaltik (=Durchfall) sich von schlechter Nahrung zu befreien. Aus dem Magen gelangt der Nahrungsbrei rasch in den Darm (Länge ca 225 cm, die erste Hälfte ist der Dünndarm, die zweite der Dickdarm). Der Nahrungsbrei des Darminhaltes ist sehr flüssig und wird in den "Gärkammern" des Dickdarmes mit Hilfe div. Mikroorganismen ( i.B. Lactobacillen und Bifidobakterien ) verdaut. Ein Teil des Dickdarmes ist der Blinddarm (Zäkum) dort können sich bis zu 65% des Darminhaltes befinden. Hier wird die Zökotrophe (Vitamin- od Nachtkot) gebildet. Das sind jene Kotpillen, die vom MS wieder gefressen werden. Als letzte Besonderheit der Verdauung wäre noch der dauernder Gallenfluß zu bemerken.
Durchfallursachen:
Ernährungsfehler: Ursprünglich stammen MS aus Gegenden mit karger Vegetation. Sie sind - ähnlich unseren Wiederkäuern - in der Lage große Mengen rohfaserreicher Futtermittel aufzunehmen und in Energie und Körpermasse umzusetzen. Auch unsere MS benötigen noch mindestens 15 % Rohfaser in der Nahrung, da die Cellulose für eine normale Darmperistaltik wichtig ist. Das erklärt die Entstehung von Durchfall bei übermäßiger Fütterung von Saftfutter. Heu ist daher lebensnotwendig, es muß aber von guter Qualität sein und ordnungsgemäß gelagert werden. Zu frisch getrocknetes, verschimmeltes oder muffiges Heu gehört zu den häufigsten Schadfaktoren. Aber auch Kraftfutter (Körnermischungen) und Grünfutter muß von bester Güte sein. Rückstände von Dünger und Pflanzenschutzmittel stellen eine große Gefahrenquelle dar.
Infektionen: Schwere Magen- Darmentzündungen werden auch durch verschiedene Bakterien ausgelöst. (Clostridien=Tyzzer`s disease, E.coli, Salmonellen und Pasteurellen) Durch den akuten Verlauf kommt eine Behandlung oft zu spät. Aber auch viele Antibiotika können durch Störung der gesunden Darmflora und Bildung von toxisch wirkenden Stoffwechselprodukten schwere Durchfälle und Schocktod auslösen. Parasiten: Kommen bei MS seltener vor. In Frage kommen Einzeller (Trichomonaden, Amöben, Kokzidien), kaum Bandwürmer, sonst gelegentlich bei Freilandhaltung Oxyuren.
klinische Bild: Erste Anzeichen sind verminderter Appetit und Apathie, im weiteren Verlauf kommt es dann zu Durchfall, starkem Flüssigkeitsverlust und Abmagerung. Der Bauch ist gespannt und schmerzhaft, oft kommt es auch zu Aufblähungen und hörbaren Darmgeräuschen.
Behandlung des Durchfalls: Wenn der durch den Besitzer sofort eingeleitete Futterentzug für einige Stunden und die anschließende Diät (Heu und Tee) keinen Erfolg zeigt, ist der Tierarztbesuch unumgänglich. Er wird krampflösende und stopfende Medikamente verabreichen, den Flüssigkeitsverlust durch Infusionen ersetzen und versuchen die gesunde Darmflora wiederherzustellen (Sauerkrautsaft, Kotpillen gesunder MS., Joghurt, Bifiduskulturen). Therapieresistenter Durchfall erfordert weitere Untersuchungen (bakteriologisch, parasitologisch).
Prognose: Durch die komplizierte Verdauungsphysiologie der MS ist auch die Intensivbehandlung nicht immer erfolgreich.


 

 
Autor:
Dr. Josef FERBER   1.Wiener Meerschweinchenambulanz der Tierklinik Simmering
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Aktualisiert: 2001-10-01