das kleine MS-ABC
von Monica ARTHOLD
2. Auflage Oktober 2001
Die Abkürzung "MS" steht für Meerschweinchen.
A
AUSLAUF braucht das
MS auch dann, wenn es einen möglichst großen Käfig - mindestens 100 x 50 cm
(Platzbedarf pro Tier: 1m2) hat - der mit Häuschen (pro MS eines, denn die Tiere
haben gerne jeder ein eigenes Bett), Heuraufe, Trinkwasserbehälter, (siehe unter
W) einem Lavastein (zum Krallenabwetzen), sowie Salz- und Mineralleckstein etc.
ausgerüstet sein sollte. Ich bin gegen hohe Käfiguntertassen (das MS kann nicht
heraussehen und schwer herausspringen. Mein Käfig wurde deshalb von einem Spengler
nach Maß angefertigt), ich bevorzuge eine Käfiguntertassenhöhe von ca. 5 cm.
Der Käfig läßt sich ideal vergrößern, wenn man einen zweiten Stock in Form einer
Galerie rund um den Käfigrand baut (ca. 20 cm breit) die von den Tieren mittels
"Hühnerleitern" erreichbar ist. Wenn man ihnen dort ihr Körnerfutter serviert,
werden sie auch zusätzlich zum Turnen angeregt. Man kann dann auf die Häuschen
verzichten, weil die Tiere unter der Hühnerleiter und der Galerie Unterschlupf
finden. Innenarchitektonisch sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, und man
kann den MS dadurch ein ideales "Erlebnisland" schaffen. Auch beim täglichen
Auslauf ist zu bedenken, daß es einem MS kaum Vergnügen bereiten wird, sozusagen
in einem "kahlen" Zimmer herumzulaufen. Anders ist es, wenn es dort Papiersäcke
gibt, durch die man laufen kann (was herrlich raschelt) und verschiedene Schachteln,
unter/in die man kriechen kann, Röhren, etc. Auch hier kann man seine Phantasie
spielen lassen, um seine MS glücklich zu machen, ihnen Abwechslung zu verschaffen
und sie geistig und körperlich anzuregen. Es ist immer noch besser, 2 MS auf
etwas weniger Platz zu halten, als ein MS auf viel Platz. MS sind keine Einzelgänger
- wie z. B. Hamster. Sie sollten daher unbedingt mindestens nur zu zweit gehalten
werden.
AUSSCHEIDUNGEN, wie Urin und Kot,
sind insofern erwähnenswert, weil MS ihren Urin nicht lange halten können. Das
Fassungsvermögen der Blase ist nicht groß. Zwar ist Ihr MS äußerst bemüht, Sie
nicht zu beschmutzen. Es will also von Ihrem Schoß und zeigt durchaus an, daß
es "muß", doch z. B. in einem Lokal können Sie es nicht herunterlassen oder
neben sich setzen. Um mich oder sonstige Sitzgelegenheiten zu schützen, verwende
ich als Unterlage Betteinlagen für Kranke (Sanitätsgeschäft oder Apotheke),
über die ich ein Handtuch lege. So transportiere ich meine MS auch in der Tasche
(die Kunststofftransportbehälter sind auffallend, sperrig, unhandlich und unpraktisch),
denn mit Heu bekommt man - z. B. in einem Lokal - leicht Schwierigkeiten. Wohlbehagen
(Streicheln oder Schmusen) fördert beim MS den Ausstoß von Kot (Pemmerln). Da
diese nicht unappetitlich sind (reine Pflanzenfresser), kann man sie angreifen
und entfernen. Ist man mit dem MS in der Öffentlichkeit, empfiehlt sich dafür
die Mitnahme eines Behältnisses, da man Anstoß erregen kann, wenn man z. B.
den Aschenbecher in einem Lokal verwendet. Sie können das MS auch leicht daran
gewöhnen, auf ein Kisterl zu gehen, es also zimmerrein machen. Legen Sie einfach
auf eine flache Tasse eine urinbenetzte Zeitung und Kotpemmerln. Geben Sie die
Tasse dann auf einen dunklen, gedeckten Platz auf den Boden und setzen Sie das
MS darauf, wenn Sie sehen, daß es "muß". Streicheln Sie es, sprechen Sie leise,
zärtlich lobend. Bald werden Sie Erfolg haben. Dann braucht das MS eigentlich
keinen Käfig mehr (ich halte meine MS im "Freilauf"). Es muß aber einen Platz
mit Schlafhäuschen und einen für seine Futterschüsserln, Heu und Wasser haben.
Sie können auch einen Käfig auf den Boden stellen und die Tür offen lassen.
Da hat es dann sein "Heim" und kann aus- und eingehen, wie es will. Bitte, den
Käfig nicht auf den Boden stellen, wenn das MS nur zeitweise laufen darf! (Siehe
"P": Pflegeleichtes Kleinkinderspielzeug, Pkt. 2)
B
BLINDDARMKOT ODER ENDKOT ist die Bezeichnung für die "Vitaminpillen", die sich ein MS im Blinddarm selbst erzeugt. Viele MS-Neulinge sind oft entsetzt, wenn das MS scheinbar seinen eigenen Kot frißt, (für den Menschen ist der Blinddarmkot vom normalen kaum zu unterscheiden). Diese Annahme ist falsch. Es handelt sich hierbei sozusagen um lebenswichtige "Vitamintabletten", ohne deren Aufnahme das MS binnen 10 Tagen stirbt. Ein krankes MS kann keinen eigenen Blinddarmkot erzeugen und versucht daher verzweifelt, diesen von anderen MS "abzuluchsen". Bemerkt man eine solches Verhalten, muß Vitamin B (z.B.Beneuran/Apotheke) zugeführt werden (Tablette zerstoßen und in eine abgeschnittene Spritze füllen).
C
C-VITAMIN (Ascorbinsäure/Apotheke) kann das MS - wie der Mensch - nicht selbst bilden und speichern. Da dieses Vitamin lebensnotwendig ist, muß es täglich zugeführt werden. Weil es im Wasser zu chemischen Umbauprozessen kommt, ist eine Gabe ins Trinkwasser sinnlos (auch an der Luft kommt es zu Veränderungen). Manche MS trinken auch kaum. Paprika (vor allem der rote) und Kiwi enthalten viel Vitamin C!
D
DER DARM des MS ist länger als unserer und dementsprechend anfällig. Zu viel Grünfutter (frisches Gras im Frühjahr) kann Durchfall und Blähungen erzeugen, die sogar lebensbedrohlich sein können. In diesem Fall eine halbe Tablette Tannalbin verabreichen oder homöopatisch: Arsenicum album D6, 1 bis 2 x stündlich 5 Tropfen bis zur Besserung, später 3 x 5 Tropfen bis fester Kot; Grünfütterung einstellen. Wenn das nichts hilft, einen Tierarzt aufsuchen. Bei länger anhaltendem Durchfall bestehen Sie bitte beim Tierarzt auf einer Kotuntersuchung. Es könnte sich um Kokzidien handeln; Darmparasiten, die man durch Heu einschleppt.
E
EINZELHALTUNG ist Tierquälerei, da MS "Herdentiere" und daher sehr gesellig sind. Wenn Sie sich noch so intensiv mit Ihrem MS beschäftigen, Sie können - als Mensch - dem MS einfach kein anderes MS ersetzen. Müßten Sie z.B. unter "Marsmenschen" leben, würden Sie sich auch über die Gesellschaft eines Menschen freuen, die Ihnen keine noch so liebevolle Zuwendung eines "Marsmenschen" ersetzen könnte. Zwei Tiere machen auch Ihnen mehr Freude und sie machen nicht mehr Arbeit als eines. Ein MS ohne Ansprache und Beschäftigung verblödet! So hat sich auch die falsche Meinung über MS gebildet, daß sie dumme Tiere wären (Kaspar-Hauser-Syndrom). Ein Tierarzt hat mit einmal geraten, den MS immer leise das Radio laufen zu lassen, wenn man nicht zu Hause ist. Ich bin immer wieder gerührt, wenn ein bislang alleine gehaltenes MS auf mein Anraten einen MS-Gefährten bekommt; wie es sich freut, wie es fast aus dem Häuschen gerät, vor lauter Glück. Vielfach ist die Haltung von MS katastrophal. Nach der anfänglichen Begeisterung kümmert man sich kaum mehr um sie. Sie werden mit ihrem Käfig in irgendeine dunkle Ecke gestellt. Sie vegetieren in grausamer Einzelhaft unbeachtet dahin. Es ist falsch, daß der Besitzer weniger Beachtung fände, wenn er mehrere MS hält. Das stimmt garantiert nicht, denn der Mensch bleibt immer geliebte Hauptperson. Man kann zwei Weibchen halten oder ein Pärchen, muß das Böckchen dann aber kastrieren lassen, was jetzt schon - nach einer neuen Methode - ab einem Gewicht von 250 g möglich ist (in einem Alter von ca. 3 Wochen). Durch Kastration ändert sich an dem Verhalten der Tiere allerdings nichts. Die Böckchen bleiben untereinander aggressiv. Lediglich unerwünschter Nachwuchs wird verhindert. Zwei Böcke können - wenn sie nicht Brüder sind - problematisch werden; vor allem wenn Weibchen (Säue) in der Nähe sind, kommt es meist zu fürchterlichen Kämpfen, die zum Tode führen können. Oft werde ich mit dem Problem konfrontiert, daß 2 MS gehalten wurden, und eines stirbt. Wir sollten zu einem erwachsenen MS (mit 1 ½ Jahren ist ein MS erwachsen), nicht unbedingt ein MS-Baby oder ein MS-Kleinkind setzen. Uns würde es ja auch nicht gefallen plötzlich mit einem lebhaften Kleinkind unsere Wohnung teilen zu müssen, oder? Wir können auch nicht einfach ein MS kaufen, das uns gefällt und es zu den vorhandenen MS gesellen. Wir möchten ja auch nicht jemanden in die Wohnung bekommen, mit dem wir künftig unser Leben teilen sollen und der uns total widerlich und unsympathisch ist, oder? Ich nehme meine MS immer zum Kauf eines neuen MS mit, denn sie müssen es mögen, nicht ich. Wenn man die Tiere eine Weile zusammenläßt (z. B. in eine große Schachtel setzt) kann man sehr schnell feststellen, ob sie sich sympathisch sind oder nicht. Ich rate davon ab, ein Kaninchen mit einem MS zusammenzusetzen, wenn dies auch besser ist, als Einzelhaft. Warum nicht gleich 2 MS zusammenleben lassen? Kaninchen und MS sprechen nicht dieselbe Sprache. Kaninchen und MS haben so viel gemeinsam wie ein Pferd (das an Land lebt) und ein Walroß (das sich im Meer tummelt). MS plaudern doch so gerne miteinander! (Nach dem Essen, die liebste Beschäftigung). Sogar die Körpersprache von Kaninchen und MS ist verschieden. Das Kaninchen könnte das MS auch unabsichtlich verletzen, weil es meist größer und kräftiger als das MS ist, und das MS sehr feine Knochen hat.
F
FELLPFLEGE: Baden (mit speziellem Shampoo vom Tierarzt) ist nur notwendig, wenn sich das MS beschmutzt hat oder wenn es ein Ekzem, Milben o. ä. hat. Tägliches Bürsten ist zu empfehlen, weil es abgestorbene Haare aus dem Fell entfernt. Langhaar-MS würde ich, so sie nicht zu Ausstellungen müssen, doch dann leben sie ohnedies ständig mit gewickelten Haaren, die Hoserln schneiden. MS sind von Natur aus kurzhaarig und können daher ihre langen Haare nicht selbst pflegen (Urin). Ständiges Baden ist nicht gut für die Haut.
G
GRAS mit Löwenzahn und etwas Klee durchzogen ist MS´s Leibgericht. Sonst sollte man noch Paprika (roter hat am meisten Vitamin C), Kiwi (Vitamin C), Äpfel, Karotten und Karottengrün, Gurken, Tomaten ,Wassermelonen, Fenchel, Brokoli, Dille, Petersilie (nicht täglich, da das nicht gut für die Nieren wäre), Bummerl- oder Endiviensalat füttern (kein Kopfsalat, enthält zu viel Nitrat!). MS mögen nur die weichen Blätter und verabscheuen instinktiv die festen Rippen beim Salat (die Rippen haben die meisten Schadstoffe!), infolgedessen mögen sie meist auch keine "harten Salate". Bitte nie direkt (kalt) aus dem Kühlschrank füttern. MS essen auch gerne Schilf und Maisblätter. Sie mögen auch hartes Brot (entgegen der allgemeinen Volksmeinung dient dieses aber nicht zum Abschleifen der Zähne. Diese sind viel zu hart als, daß sie durch das Nagen von hartem Brot abzuschleifen wären). Alles gewaschen, getrocknet oder geschält (giftige Spritzmittel). Gefüttert wird dreimal täglich, vorzugsweise morgens (mittags) und abends. Wenn Sie berufstätig sind, füttern Sie das MS morgens, dann wenn sie von der Arbeit kommen und nochmals vor dem Schlafengehen. Die ideale Fütterung besteht morgens nur aus Heu und Wasser. Mittags gibt man dann viel Grünes und nur abends Körner.
H
HEU muß (sauber, staubfrei, trocken und wohlriechend) die Hauptnahrung des MS darstellen. Die darin enthaltenen Ballaststoffe sind lebensnotwendig! Heu muß immer ausreichend angeboten werden.
I
INSULININJEKTIONSSPRITZEN 1,0
ml (ohne Nadel) sind ein lebenswichtiges Instrumentarium für den MS-Freund.
Man kann damit dem MS auf Reisen Wasser verabreichen, Vitamine zuführen - oder
mit abgeschnittener Spitze den Nahrungsbrei, wenn eine Zwangsernährung
notwendig wird. Schon die MS-Babies sollte man deshalb unbedingt (eventuell
mit Wasser) an die Spritze gewöhnen, um eine Abneigung gegen die Spritze
bei einer eventuell im späteren Leben notwendig werdenden Zwangsernährung
zu vermeiden.
INHALIEREN kann bei Atemwegserkrankungen
notwendig werden. Es geht ganz einfach, wenn Sie einen Speisethermos zu 3/4
mit dem Inhalat füllen, zwischen die Oberschenkel halten, das MS mit dem
Gesicht über die Öffnung und über alles ein großes Tuch
breiten.
J
JUNI ist der Monat, in dem der Boden trocken genug ist, daß das MS ins Gras und auf die Wiese darf. Bitte Rückzugsmöglichkeiten in den Schatten und Abdeckung des Laufstalles (Katzen, Hunde, Greifvögel) sowie Trinkmöglichkeit nicht vergessen! Auch im Herbst ist zu beachten, daß die Luft oft noch warm, der Boden aber für das MS schon zu kalt ist!
K
KAUF eines jeden
Tieres sollte gut überlegt und geprüft werden; ein Tier ist schließlich ein
Lebewesen, für das man mit seinem Kauf Verantwortung wie für ein Kind übernimmt,
das man - bei "Nichtgefallen" - auch nicht wieder weggeben kann wie eine Sache.
Eine eventuelle Allergieanfälligkeit für Tierhaare bitte vor dem Kauf untersuchen
lassen.
1. Hat man Zeit, Platz und Geld, um den Tieren optimale Lebensbedingungen bieten
zu können?(Tierarztkosten!)
2. Wohin mit dem Tier im Urlaub?
3. Tierarztkosten können - gerade beim MS - erheblich sein. Kann/will man das
auf sich nehmen?
4. Beim MS kann sehr zeitintensive Pflege (z. B. Zwangsernährung) anfallen.
Kann bzw. will ich das durchstehen?
L
LEBENSERWARTUNG ist durch die jetzt vorherrschenden Umweltbedingungen erheblich gesunken. Meist ist man froh, wenn das Tier ein Alter von 5 Jahren erreicht.
M
MUND mit "Krätzen" und Krusten? Das ist Lippengrind, vermutlich durch Mangel an ungesättigten Fettsäuren entstanden. Die Krusten müssen täglich morgens und abends sorgfältig entfernt werden, was ich mittels "pflegender Feuchttücher für Babies" mache. Dann müssen die Lippen gecremt werden. Der Tierarzt hat spezielle Cremen und Medikamente zur Behandlung von Lippengrind sowie Öltropfen zum Einnehmen. Es handelt sich hier um keine Infektion. Lippengrind ist nicht übertragbar.
N
NAGERFUTTER gibt es in der Tierhandlung, man kann es sich aber auch selbst zusammenstellen oder nur Hafer füttern. Pro Tier und Tag nur ein gestrichener Eßlöffel voll. Sparsam mit Sonnenblumenkernen und Nüssen bzw. Leckereien, da die Tiere leicht fett werden (Leberschaden)! Meerschweinchen sind Weidetiere, wie Kühe. Das ihnen vom Menschen anerzogene Körnerfutter ist daher eigentlich nicht artgerecht, und bei ausreichendem Grünfutterangebot (Sommer) entbehrlich. In ihrer ursprünglichen Heimat, Südamerika, haben sie nur ein sehr karges Nahrungsangebot, genau dafür ist aber ihr Verdauungstrakt geschaffen. MS fressen begeistert Plastik (-sackerl). Vorsicht! Es droht die Gefahr eines Darmverschlusses. Neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist das MS kein Nagetier. MS sollen daher - wie z. B. Huftiere oder Primaten - eine eigene zoologische Ordnung bekommen.
O
OHRENKONTROLLE nur beim Tierarzt vornehmen lassen, der auch am besten die Krallen schneidet (Verletzungsgefahr, wenn man sie selbst kürzt), regelmäßig die Zähne kontrolliert etc.
P
"PFLEGELEICHTES KLEINKINDERSPIELZEUG"
ist das MS wirklich keines, obwohl es in Österreich unbegreiflicherweise
als solches gilt und man es Babies am liebsten schon in den Laufstall setzt
(zu Kindern ja, aber frühestens ab dem Schulalter, besser erst ab dem 10. Lebensjahr;
wobei dann zu bedenken ist, daß Kinder mit 14 Jahren oft das Interesse am MS
verlieren können, weil Freunde und Ausgehen wichtiger werden). Die Verantwortung
für das Wohl des Tieres müssen auf jeden Fall die Eltern tragen, denn Kinder
sind dafür meist nicht verläßlich genug. Das unschuldige Tier müßte diese falsche
Erziehungsmaßnahme ausbaden.
Warum ist das MS nicht für kleine Kinder geeignet?
1. Das MS ist sehr lärmempfindlich. (Deshalb bitte auch Musik und TV immer leise
stellen!)
2. Das MS fürchtet alles, was von oben kommt (in seiner Heimat gibt es Greifvögel,
weshalb der Käfig auch nicht am Boden stehen sollte. Steht der Käfig am Boden,
wird das MS auch schwer zahm, da es nur unsere Beine sieht).
3. Es ist keineswegs robust, (zarte Knochen), sondern gehört zu den empfindlichsten
Tieren und
4. es kann von "pflegeleicht" keineswegs die Rede sein, ebensowenig wie von
5. billig, da Nahrung und Einstreu von allerbester Qualität sein müssen.
Q
QUALEN verursacht dem MS Juckreiz, der umgehend beim Tierarzt abgeklärt werden muß. (Möglichkeiten: Milben, Haarlinge, Allergien, Hautausschläge, Pilze, etc.) Wußten Sie, daß MS sogar eine Allergie gegen Menschen entwickeln können?
R
RÄUDEMILBE/GRABMILBE verursacht starken Juckreiz. Meist handelt es sich um diese, wenn sich blutige Flecken im Fell zeigen. Die Grabmilbe wird mit dem Heu eingeschleppt. Sie ist jetzt Gott sei Dank vom Tierarzt leicht durch eine Injektionsbehandlung mit einem Endektocid, welches eigentlich für Rinder und Schweine entwickelt wurde, in den Griff zu bekommen. Neuerdings verfügt der Tierarzt auch über Tropfen von denen er einen in den Nacken träufelt. Das Medikament wird über die Haut aufgenommen und so erübrigt sich eine Behandlung mit Injektionen.
S
SAUBERKEIT ist auch für das MS wichtig. Eine einmalige schnelle wöchentliche Käfigreinigung ist nicht genug!!! Dafür ist das MS bei guter Pflege völlig geruchlos, abgesehen davon, daß man durch Sauberkeit auch Krankheiten vermeiden kann. Speichelfluß / Sabbern deutet auf Zahnprobleme hin (siehe "Z": Zähne).
St
STIMME hat das MS
mit so vielen verschiedenen Lauten (es ist sogar wissenschaftlich erwiesen,
daß MS einen größeren "Lautschatz" haben, als jedes andere Tier), daß es sich
uns gut verständlich machen kann. Wenn man es erst einmal gut kennt, kann man
die Laute leicht deuten und verstehen, was es uns sagen will. Ein Laut ist sogar
nur für den Menschen bestimmt und für ihn "erfunden" worden. Das ist das Gequiecke,
wenn wir es streicheln, mit ihm schmusen. Manche MS-Neulinge äußerten sich besorgt,
da sich dieses "Schnurren", wie ich es in Anlehnung an das wohlige Schnurren
der Katze nenne, für sie wie Wehklagen anhört. Doch das Gegenteil ist der Fall.
MS sind eben anders! Das MS hält allerdings viel vom Geben und Nehmen. Wenn
Sie zu streicheln aufhören, hört es auch zu "schnurren" auf.
Das MS spricht auch mit dem Körper:
1. Wenn das MS mit den Zähnen wetzt/klappert, dann will es Ihnen sagen, daß
ihm irgend etwas gegen den Strich geht (Unter MS ist es eine Warnung: "Vorsicht,
ich werde dich gleich beißen!").
2. Wenn dem MS etwas nicht paßt, teilt es Fußtritte aus.
3. Als Babyhupfen bezeichnen wir den Ausdruck größter Lebensfreude eines MS,
der allerdings meist nur bei MS-Babies und MS-Kleinkindern zu beobachten ist
(Mit zunehmenden Alter ist das Leben anscheinend nicht mehr so wunderbar und
einzigartig). Das MS springt in die Luft, überschlägt sich etc. Für mich sieht
es so aus, wie das Zureiten von Pferden oder Stieren beim Rodeo. MS-Neulinge
glauben oft, daß das MS krank sei, oder an (epileptischen) Anfällen leide.
4. Wenn wir ein MS streicheln, oder ihm Gutes tun, z. B. es zwangsernähren,
stößt es oft mit dem Kopf nach oben. Wie Beobachtungen ergeben haben, bedeutet
dies danke!
5. Wenn Ihr MS Ihnen sagen will, daß es Sie liebt, zieht es Ihnen Ihre Haut
mit den Zähnen hoch, was natürlich schmerzhaft sein kann. Genauso zieht sich
das MS seine Grashalme aus der Erde. Offenbar erinnern auch "Sitzhandtücher"
das MS an diese Nahrungsaufnahme, denn auch bei den Handtüchern wird es Ihnen
mit Begeisterung Fäden zu ziehen beginnen.
6. Wenn mit dem Essen etwas nicht in Ordnung ist, dann macht Ihnen das MS ein
"Lackerl" in den Teller. Wie sollte es sich sonst verständlich machen? Dreht
es die Schüssel um, dann sucht es sich nur die Leckerbissen heraus.
7. Wenn ein MS "muß", dann geht es zurück und setzt sich andächtig und konzentriert
zu seinem Geschäft nieder.
8. Wenn ein MS große Angst hat oder sich erschreckt, wirft es Haare ab (läßt
sie sozusagen plötzlich fallen).
9. Eine Besonderheit ist das Vogelgezwitscher. Erschrecken Sie nicht, wenn in
Ihrem Haus plötzlich Vogelgezwitscher ertönt, was unmöglich ist, weil kein Vogel
da ist! Das Vogelgezwitscher stammt von Ihrem MS. Die Wissenschaft weiß nicht,
zu welchem Zweck dieser Laut früher vom MS verwendet wurde. Sie konnte bis jetzt
nur erforschen, daß es sich bei diesem Vogelgezwitscher um ein längst vergessenes
Sprachelement des MS handelt, das vor Urzeiten verwendet wurde. Es kommt vor,
daß sich ein MS - ohne erkennbare Ursache - an diesen Urlaut erinnert und dann
wie ein Vogel zwitschert. Vermutlich horchen MS in der freien Natur deshalb
so interessiert auf das Gezwitscher der Vögel.
Das Hören gehört nicht gerade hierher. Es muß aber erwähnt werden, daß MS auf
ihren Namen hören und kommen, wenn man sie ruft. Sie sind also von einfältig
und dumm sicher weit entfernt; wir machen sie nur dazu, indem wir uns nicht
ausreichend um sie kümmern und uns mit ihnen beschäftigen, wie wir es mit einem
Hund oder einer Katze selbstverständlich tun.
MS haben Gefühle wie wir, und ich konnte bei Ihnen ebenso Liebe, Freundschaft,
wie auch Haß und Abneigung beobachten. Deshalb bin ich dagegen, einfach zwei
Tiere in einen Käfig zu setzen, ohne Rücksicht darauf, ob diese MS ihr künftiges
Leben miteinander teilen wollen oder nicht (Sympathie!!).
STREICHELN: das MS hat kräftigeres
Streicheln und "Durchwalken" - natürlich nicht brutal - lieber als zartes Streicheln.
T
TIERARZTKOSTEN können erheblich sein. Nicht, weil der Tierarzt so teuer wäre, sondern weil das MS so anfällig, empfindlich und umweltgeschädigt ist. Frißt ein MS nicht, kauert es, sträubt sich das Fell, muß es - im Gegensatz zu anderen Tieren - sofort zum Tierarzt, da es sehr schnell an Gewicht verliert.
U
UMWELTBEDINGUNGEN sind für das MS nicht (mehr) optimal. Obst/Gemüse können gespritzt sein, (vor allem, wenn sie aus dem Ausland kommen). Alles wird endlos weit transportiert, raffiniert gelagert und gekühlt, bestrahlt (Vitaminverlust) oder genverändert. Verschiedene Sorten nehmen viel Nitrat (krebserregend!) aus dem Boden auf (z. B. Kopfsalat, rote Rüben). Woher kommt das Heu, wie wurde es gelagert, wo geerntet? Oft riecht es muffig, (gesundheitsschädigend), ist staubig,... Auch Sägespäne/Einstreu können kontaminiert sein. Meine MS z. B. haben eine Sägespäne-Allergie und ich kann sie nur auf Zeitungspapier (leicht austauschbar) und Heu halten. Diese Art der Haltung finde ich aber ideal. (Sie wird auch vom Cavy-Hospital in England empfohlen.) Sie ermöglicht es, ohne viel Schmutz und Staub (Sägespäne!) die Einlage täglich zu erneuern und die Tiere somit optimal sauber zu halten. Woher kommt das Körnerfutter, ist es frisch, vielleicht schon ranzig, sind Pilze darin? Fragen, die wir nicht beantworten können.
V
VERGESSLICH scheint
das MS, wenn es sein Futter plötzlich nicht mehr beachtet, ins Salatblatt beißt
und scheinbar nicht (mehr) weiß, wie es dieses weiter essen soll. Untersuchungen
bringen oft kein Ergebnis. Es bleibt nur mehr lebenslange Zwangsernährung (Fachausdruck).
Mir scheint der Fehler im Gehirn zu liegen, eine Art von MS-Alzheimer, die,
wenn überhaupt, meist um das zweite Lebensjahr auftritt.
VERKÜHLUNG kann das MS von Ihnen
bekommen. Da Schnupfen und/oder Husten eine schwere Erkrankung des MS darstellen,
ist also äußerste Vorsicht geboten, wenn Sie an einem grippalen Infekt laborieren.
(Ansteckungsgefahr!)
W
WASSER trinken MS, wenn sie genügend Grünfutter haben, wenig bis gar nicht. Es muß ihnen aber immer - morgens und abends frisch - zur Verfügung stehen. Am besten in einer schweren Schüssel, die nicht umkippen kann und vor Verschmutzung dadurch geschützt wird, daß man sie auf einen erhöhten flachen Stein stellt. Die Wasserflaschen sind eine Erfindung der Industrie und es mühsam und unnatürlich auf diese Weise seinen Durst stillen zu müssen. Abgesehen davon, ist es ausgeschlossen diese Flaschen wirklich gründlich zu säubern. Viele MS, die nie aus der Flasche getrunken haben, trinken gerne aus einer Schüssel, wenn sie diese statt der Wasserflasche bekommen.
X
XANTHIPPEN sind unter den MS selten. Meist sind sie friedfertig, es sei denn, es handelt sich um zwei Böcke, wenn Weibchen in der Nähe sind. Trotzdem ist es ein Irrglaube, daß sich Weibchen untereinander immer verstehen; auch hier gibt es Sympathien und Antipathien; auch zwei Weibchen können ordentlich miteinander streiten und unversöhnlich bleiben. Darum nochmals: Nehmen Sie unbedingt Ihr(e) MS zum Kauf eines neuen mit! MS lieben ihren Menschen und lassen sich am liebsten 24 Stunden schmusen und streicheln. Sie beißen ihn sicher nicht, höchstens knabbern sie ein wenig aus Liebe an ihm. Daß man MS zu Kindern gibt, gerade, weil sie (angeblich) nicht beißen, ist ein Irrglaube. MS beißen sehr wohl, wenn sie - z. B. von Kindern - unabsichtlich grob behandelt werden. Es ist für viele Menschen kaum zu glauben, doch MS können sich so an ihren Menschen anschließen, ihn so lieben, daß sie aus Kummer das Fressen einstellen, wenn sie ihn verlieren (Urlaubspflege, Tod). Eine Treue, die man höchstens Hunden zugesteht. Denjenigen von uns, die MS haben, sich aber nicht ausreichend mit ihnen befassen, sich nicht die Mühe machen, sie näher kennenzulernen, entgeht viel. Glauben Sie mir!
Y
YUCATAN in Mexiko können Sie sogar mit Ihrem MS besuchen (übrigens es verträgt Kälte besser als Hitze und fühlt sich am wohlsten bei 20 Grad. Immer unbedingt vor Zugluft schützen! ). Das MS geht gerne mit Ihnen aus, reist gerne, geht auch gerne mit Ihnen in Lokale und unter Menschen. Es liebt die Abwechslung und wird durch sie auch vifer. MS, die immer zu Hause sind, sind scheu und ängstlich. Man kann mit seinen MS auch fliegen, muß sie nur bei der Buchung (auch im Hotel) anmelden und im Flugticket eintragen lassen, damit man sie mit in die Kabine nehmen darf, worauf man bestehen muß. Neuerdings gibt es allerdings Fluglinien, die keine Nagetiere transportieren!!! Ein amtstierärztliches Zeugnis genügt meist für den Grenzübertritt. Auch hier müssen aber bei der jeweiligen Botschaft die nötigen Informationen eingeholt werden! Im Hotel empfehle ich - sollte kein Heu zur Verfügung stehen - sich mit mitgebrachten Handtüchern als "Einstreu" zu behelfen, die natürlich ständig gewechselt (gewaschen) werden müssen. Nicht vergessen darf allerdings auf des Futterheu werden! Auch ein Tier braucht - wie bei seinem Leben in Freiheit - Erlebnisse und sogar ein bißchen Streß. Diese Erkenntnis stammt nicht von mir, sondern von Verhaltensforschern!
Z
ZÄHNE und Zwangsernährung:.
Ein leidiges Thema. Die Zähne wachsen laufend, müssen
also immer wieder vom Tierarzt kontrolliert werden. Verhält sich ein Tier wie
unter "V" angegeben, ist zuerst an die Zähne zu denken. Nicht nur die Vorderzähne
wachsen. Es gibt auch Backenzähne und die können über die Zunge eine Brücke
bilden, was jede Nahrungsaufnahme unmöglich macht. Allerdings kann ein mit MS
befaßter Tierarzt diese Brücke problemlos und ohne Narkose entfernen.
ZWANGSERNÄHRUNG kann immer wieder
notwendig werden, weshalb man sich vorsorglich sicherheitshalber mit ihr befassen
sollte: In die abgeschnittene Insulinspritze, die man immer griffbereit haben
sollte, fülle ich einen Nahrungsbrei von in Wasser aufgelösten Pellets (besser
"Nager-Rollis", "Grün Ringis" o. ä.), Weizen- oder Haferkleie, Vollkorn-Semmelbröseln
oder Maismehl, einige zerstampfte Sonnenblumenkerne, Mehrkornflocken (ohne Zusätze)
= Kraftfutter. Für das Saftfutter reibe ich Paprika, Gurke oder Karotten sowie
Äpfel. Auch Teekräuter, z. B. Brennessel, kann man dem Nahrungsbrei beimengen
und ihn mit Vollkornmehl gleitfähig machen. 2 x täglich eine Messerspitze Bierhefeflocken
und eine Messerspitze Ascorbinsäure sind als Mindestvitamingabe notwendig. Besser
sind allerdings spezielle Vitaminmischungen vom Tierarzt. Pro Mahlzeit muß man
mit ca. 10 Spritzen rechnen (das MS frißt sehr langsam und kaut sogar Tee oder
Wasser gründlich). Der Brei muß immer frisch zubereitet werden; 3 x täglich
füttern ist zu wenig, das MS ist schließlich ein Dauerfresser (wie z. B. eine
Kuh).
Nachsatz: Oft kommen in Telefonaten und
Gesprächen, also "Beratungen", Argumente, wie:
"Für so einen großen Käfig habe ich keinen Platz...."
"......laufen lasse ich das MS nicht, damit es nichts schmutzig macht ....."
" .....ich habe nicht viel Zeit für ein Tier, möchte aber eines, da dachte ich
...ein MS"
" .....ich weiß, daß mein Kind sehr klein und sehr lebhaft ist, aber es will
halt unbedingt ein MS ...."
"......es ist doch gut wenn ein Kind frühzeitig mit einem Tier aufwächst, da
haben wir an ein MS gedacht, weil es anspruchslos und gutmütig ist und nicht
viel braucht....."
Dazu muß ich sagen: Ein MS ist ein Lebewesen dessen Bedürfnisse auch zu erfüllen
und sorgfältig zu beachten sind! Wem das nicht möglich ist, der muß, im Interesse
des Tieres, auf Haltung eines MS verzichten!!!!
Warum glauben wir eigentlich einem MS vielfach Bedingungen zumuten
zu können, die wir einem anderen Tier (z. B. Hund oder Katze) nicht zumuten
würden? Ein MS ist keineswegs, wie fälschlich angenommen und propagiert, gefühllos
und primitiv!
Ich hoffe, daß ich Ihnen einige wertvolle Tips und Anregungen geben konnte.
Alles Gute Ihnen und Ihren Meerschweinchen wünscht Ihnen Ihre
Monica Arthold
Leitung
MEERSCHWEINCHENFREUNDE ÖSTERREICHS STAMMTISCH seit 1994
A-1030 Wien, Hintzerstraße 1/II/13
(Tel.: 0043 / 1 / 714 81 19)
| Autor: Monica ARTHOLD - MSFÖSt (Meerschwinchenfreunde Österreichs Stammtisch seit 1994) E-Mail: stammtisch@meerschweinchenfreunde.at |
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vorbehalten. Aktualisiert: 2001-11-01 |